Die total normalen Abenteuer von Odette Germaine
von Franziska Lagemann
Liebe Franziska Lagemann, liebes Publikum,
herzlich willkommen zu unserer Preisverleihung des Goldenen Bücherpiraten 2024.
Wir sind die Kinderjury: Anton, Erik, Eva, Ida, Justus, Lasse, Liska, Lucy, Lyk, Noa und Teo.
In diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, dass der Preis des Goldenen Bücherpiraten an Franziska Lagemann für Ihr Buch „Die total normalen Abenteuer von Odette Germaine“ gehen soll.
Wie kam es zu unserer Entscheidung?
Am Anfang haben wir alle eingesendeten Buchanfänge gelesen und danach Bewertungsbögen ausgefüllt. Die Kriterien für die Bögen haben wir selbst festgelegt.
Dafür haben wir lange darüber gesprochen, was für uns ein richtig gutes Buch ausmacht.
Uns war zum Beispiel besonders wichtig, dass die Geschichte unvorhersehbar ist, dass die Figuren einer Gefahr ausgesetzt werden und dass sie unperfekt sind. Außerdem war uns unter anderem wichtig, dass dramatische Situationen wie Kämpfe oder Verfolgungsjagden vorkommen, dass es witzig geschrieben und die Sprache einfallsreich und fantasievoll ist.
Nach dem Auswerten der Bögen und vielen Diskussionsrunden, entschieden wir uns für die drei Finalbücher. Diese haben wir dann komplett gelesen. In diesem Jahr waren das insgesamt 1003 Seiten – also richtig viele! Danach haben wir in mehreren Runden abgestimmt, diskutiert und uns letztendlich für das Siegerbuch entschieden. Es war ein knappes Rennen mit dem zweitplatzierten Buch, am Ende konnte uns „Odette“ jedoch am meisten überzeugen.
Um was geht es in dem Buch?
Die Hauptfigur Odette hat eine besondere Gabe: Sie hat nekromantische Fähigkeiten. Das heißt, sie kann Tote lebendig werden lassen. Das weiß sie, seitdem sie von ihrer Urgroßmutter Eloise eine magische Rassel geschenkt bekam. Mit dieser Rassel konnte sie bereits ihre etwas verrückte Urgroßmutter zum Leben erwecken, die von nun an auf einem Pariser Friedhof lebt. Dort ist Odette am liebsten, denn hier wohnen noch weitere Freunde von ihr. Da sind zum Beispiel der komische Dichter, der schöne Vladimir, der starke Yves oder die lustige Paulette. An Halloween plant sie für alle eine große Party. Doch sie ist nicht die einzige Nekromantin auf dem Friedhof. Die dunkle Brüderschaft treibt dort ihr Unwesen und beschließt gerade kurz vor ihren Party-Plänen die Friedhofsherrschaft zu übernehmen. Werden Odette und ihre Freunde es schaffen, sich gegen die dunkle Brüderschaft durchzusetzen?
Szenenablauf
Was gefiel uns besonders gut an dem Buch? Warum haben wir es als Siegerbuch ausgewählt?
Uns gefiel die verrückt-witzige Stimmung in dem Buch sehr. Sowohl die Figuren als auch die Geschichte haben uns immer wieder zum Lachen gebracht, aber es wurde auch mal etwas gruselig und ziemlich spannend, vor allem als die dunkle Brüderschaft Odette entführt hat. Die starke und eigensinnige Hauptfigur Odette ist richtig super. Sie ist häufiger mürrisch, etwas weird und lässt sich von niemandem etwas vorschreiben. Erwachsene siezt sie nur, wenn sie sie mag. Ihre Haare stehen ihr zu Berge und auf Klamotten gibt sie nicht viel. Von der dunklen Brüderschaft lässt sie sich nicht einschüchtern, auch wenn es richtig brenzlig wird. Zwischendurch fühlt sie sich kurz zum Bösen hin gezogen. Doch dann ist sie entschlossen, bleibt sich treu und kämpft für ihre Freunde. Wir mochten, dass das Thema Freundschaft und Zusammenhalt eine wichtige Rolle in diesem Buch gespielt hat.
Das Buch wurde mit ganz viel Fantasie und so vielen kreativen, witzigen und verrückten Ideen geschrieben. Uns gefiel, dass plötzlich 1000 Skelette aus dem Gully kamen und ihre Stimmen wie „weiches Klopapier“ klangen. Oder, dass der Angeber Veiselcode mit seinem Ferrari auf quitschenden Reifen zum Eifelturm fuhr. Oder, dass das zappelnde, verwirrte und trantütige Skelett Paulette immer einen witzigen Spruch auf Lager hat. Beispiel für Spruch: ???
Oder, dass die schusselige Tante Opernsängerin ist und immer ihren Text vergisst und stattdessen über Tortellini und andere Pasta singt. Auch der eigenartige Dichter, den Odette nicht sonderlich mag, war toll, weil er so anders war: Er spricht nur in Reimen und dabei besonders langsam. Beispiel???
Es gab auch gereimte Kapitelnamen mit den tollen Titeln „Liebt man das Giftmischen zu sehr, vermisst einen schnell keiner mehr“, die direkt Lust gemacht haben, das Kapitel zu lesen.
Außerdem gab es sehr viele witzige und aufregende Szenen. Eine unserer Lieblingsszenen war, als Odette an der Supermarktkasse mit einer goldenen Kreditkarte bezahlen und der Verkäufer erst einmal gar nicht glauben wollte, dass das ihre ist. Es war auch nicht ihre, sondern die ihrer Tante, aber das musste der Verkäufer ja nicht wissen. Sie schüchterte den Verkäufer mit ihrem bösen Blick so sehr ein, dass er sie mit dem vollgepackten Einkaufswagen schließlich durch ließ. Eine weitere tolle Szene war, als der Oberboss der dunklen Brüderschaft mit einem Gedächtnistrank in ein schreiendes Baby verwandelt wurde. Es war einfach zu witzig, zu sehen, wie so ein großer starker Typ plötzlich zu einem hilflosen schreienden Baby wird. Besonders spannend wurde es dann beim Schlusskampf, als …
Immer wieder gab es überraschende Wendungen - nicht nur am Ende des Buches, sondern die ganze Zeit, zum Beispiel wenn Eloise erwacht oder wenn Alex sich am Ende als strahlender Held entpuppt. Dadurch wollten wir ständig weiterlesen und wissen, was als nächstes passiert. Das hat es für uns aufregend gemacht.
Aus all diesen Gründen, haben wir uns dazu entschieden, dass Franziska Lagemann dieses Jahr den Preis für den Goldenen Bücherpiraten bekommen soll. Deshalb bitten wir sie jetzt auf die Bühne, um ihn entgegen zu nehmen.